Das Interview mit Gosho Aoyama & Eiichiro Oda (Teil 2)

Gosho Aoyama und Eiichiro Oda im Interview! ConanNews.org präsentiert den heiß ersehnten Teil 2 von Detektiv Conan Übersetzer Josef Shanel!

Teil 2 des großen Interviews OVER 100 Miracle Talk zwischen Gosho Aoyama und Eiichiro Oda erschien gemeinsam mit Detektiv Conan Kapitel 1097 am 27. Juli in der Weekly Shōnen Sunday. ConanNews.org engagierte exklusiv niemand Geringeres als Josef Shanel! Von Anfang an ist er seit 2001 für Egmont Manga der Übersetzer des Detektiv Conan Manga. Gosho Aoyama × Eiichiro Oda! Detektiv Conan × One Piece! Viel Spaß mit dem Crossover-Interview! Der legendäre Teil 1 lässt sich hier nachlesen.

OVER 100 Miracle Talk Interview: Gosho Aoyama × Eiichiro Oda

Eine Love Comedy würden Sie nicht zeichnen, oder, Oda? (Aoyama)

Was hat sich seit den Anfängen geändert?

Der Startschuss für „Detektiv Conan“ fiel 1994, mit „ONE PIECE“ ging es 1997 los. Was hat sich seit damals am meisten für Sie geändert?

Aoyama: Als ich „YAIBA“ gemacht habe, nannten mich alle Aoyama-san, doch als ich mit Conan begonnen hatte, war ich plötzlich Aoyama-sensei. (lacht) In der Redaktion werde ich nach wie vor als Aoyama-san angesprochen, aber die Leute vom Fernsehen oder von Zeitschriften nennen mich alle Aoyama-sensei.

Oda: Ich bestehe darauf, mit Oda-san angesprochen zu werden. Wenn ich mit jungen Redakteuren spreche, verwenden sie automatisch Höflichkeitssprache, während ich umgangssprachlich mit ihnen rede. Das ist eine Sache des Alters und nicht zu ändern, aber wenn sie mich zusätzlich noch mit Oda-sensei anreden würden, würde es ihnen noch schwerer fallen, mich mit Kritik oder Beschwerden zu konfrontieren. Also stelle ich von Anfang an klar, dass ich Oda-san bin.
(Anmerkung des Übersetzers: „-san“ entspricht „Herr“, „Frau“, Fräulein“; „-sensei“ ist eine respektvolle Anrede für Lehrer, Professoren, Ärzte, Künstler, Rechtanwälte etc.)

Und was hat sich Ihrer Meinung nach für Sie am meisten geändert, wenn Sie heute auf die Anfänge von „ONE PIECE“ zurückblicken, Oda-san?

Oda: Mein Gewicht! Bei Mangaka gibt es im Allgemeinen zwei Typen: die, die abnehmen und die, die zunehmen. Und ich habe sofort angefangen zuzunehmen, nachdem die Serie gestartet war. Es ist nämlich ganz normal, dass man zwei oder drei Tage lang kaum was isst. Erstens hat man keine Zeit dafür, und zweitens macht essen müde. Also isst man tagelang viel weniger, als man es sonst tun würde, doch wenn man dann mal isst, verschlingt man Unmengen. Da der Körper also davon ausgeht, nur unregelmäßig Nahrung zu bekommen, fährt er sein Notfallprogramm und setzt so viel Fett an, wie er nur kann. Obwohl man also nur alle Jubeltage isst, geht man auf wie ein Hefeteig – gesund ist das jedenfalls nicht … Aber wahrscheinlich wollten Sie eine andere Antwort hören? (lacht)

Aoyama: (lacht) Früher war ich auch ganz schön dick. Doch dann wurde ich krank und mein Arzt sagte zu mir, ich müsse unbedingt abnehmen, also nahm ich ab und war gertenschlank. Inzwischen habe ich aber wieder etwas zugenommen.

Oda: Also um mal ernsthaft auf die Frage zu antworten: Irgendwann hat man eine gewisse Autorität inne, ohne dass es einem überhaupt bewusst geworden wäre. Und alles, was man sagt, hat plötzlich so ein Gewicht und wird als letztes Wort angesehen. Ich denke mir dann oft, „Hä? Das war doch bloß ein Vorschlag, und jetzt haben die das bereits genauso umgesetzt?“

Aoyama: Ja, das kenne ich auch … (lacht) Man muss echt aufpassen, keine dummen Ideen laut auszusprechen!

Oda: Man tut auf jeden Fall gut daran, erst nachzudenken, bevor man etwas sagt. Man ist eben kein Unbekannter mehr und hat Verantwortung. Ich denke von mir ja, mich mit den Jahren und Jahrzehnten nicht groß verändert zu haben, aber die Leute um einen herum haben das definitiv. Manche Redakteure sagen einem ganz freudig, dass sie „ONE PIECE“ von Anfang an gelesen haben und große Fans sind. Mit denen kann man also gar nicht übermäßig streng oder launisch umgehen, man schlägt automatisch sanftere Töne an.

Aoyama: Ja. Viele Assistenten oder Mitwirkende an der TV-Serie und den Filmen haben „Detektiv Conan“ von klein auf gelesen und sind Fans.

Oda: Aber genau solche Leute liefern oft die beste Arbeit ab. Weil sie die Serien lieben.

Stellen Sie sich mal kurz vor, Sie wären nicht in der Position, in der Sie heute sind und es wäre Ihnen möglich, zu zeichnen, wonach Ihnen der Sinn steht. Was für Mangas würden dabei herauskommen?

Aoyama: Ich würde gern die „Die Reise nach Westen“ zeichnen. Also einen Action-Manga mit vielen Kämpfen. Ich fand Sun Wukong schon immer cool. Was für ein wahnsinnig starker Charakter!

Oda: Würde ich jetzt mit „Ich würde gern eine Krimigeschichte zeichnen“ antworten, wäre das bestimmt ein Brüller, was? (lacht) Aber das könnte ich nie, so schlau bin ich einfach nicht!

Aoyama: Hahaha!

Oda: Also um ehrlich zu sein, zeichne ich bereits genau das, was ich zeichnen will. Es gab mal eine Zeit, da hätte ich es toll gefunden, auch mal was mit Robotern zu zeichnen, aber dann habe ich eben Roboter in „ONE PIECE“ eingeführt. Eigentlich bringe ich in „ONE PIECE“ schon so ziemlich alles, was ich jemals zeichnen wollen würde, und wenn mir jetzt jemand sagen würde, ich hätte die Chance, noch mal ganz von vorn anzufangen und einfach drauflos zu zeichnen, ich bin mir sicher, es würde wieder „ONE PIECE“ dabei herauskommen.

Aoyama: Also das finde ich bewundernswert! Würde man mir sagen, „Los! Zeichne noch mal ‚Detektiv Conan‘!“, dann weiß ich wirklich nicht, wie ich darüber denken würde … (lacht) Aber auch ich habe jede Menge der Ideen, die mir sonst noch so durch den Kopf gehen, in „Detektiv Conan“ gepackt, also ja, vielleicht würde ich mich genau wie Sie wieder für Conan entscheiden.

Die Kraft von Love Comedy, Freundschaft und Charakteren!

Was können Ihrer Meinung nach Mangas beim Leser bewirken?

Oda: Ich finde, Mangas sind ein großartiges Instrument, um Freundschaften zu knüpfen. Es ist toll, eine gemeinsame Leidenschaft zu haben. Ich habe als Kind auch jede Menge Freunde auf diese Weise gewonnen.

Aoyama: Ich fände es schön, wenn „Detektiv Conan“ dem einen oder anderen Leser und der einen oder anderen Leserin in Liebesangelegenheiten weiterhelfen würde. (lacht) Wäre doch super, so reine Gefühle wie die Charaktere in „Detektiv Conan“ erleben zu können? Das Problem an dem Ganzen ist freilich, dass bei Conans spezieller Art von Love Comedy auch immer Morde im Spiel sind! (lacht)

Oda: Mangas sind eben eine Welt der Träume. Da möchte man natürlich immer gewissen Idealen gerecht werden.

Apropos Love Comedy. Sie haben mal „Love Comedy“, „Abenteuer“ und „Freundschaft“ als die drei Eckpfeiler erfolgreicher Shōnen-Mangas genannt, Herr Aoyama. Analysen besagen, dass Ihre großen Stärken in den Bereichen „Love Comedy & Abenteuer“ liegen, Herr Aoyama, und Ihre in den Bereichen „Abenteuer & Freundschaft“, Herr Oda.

Aoyama: Eine Love Comedy würden Sie nicht zeichnen, oder, Oda?

Oda: Wohl kaum. Im Jump hat es Tradition, die Genres zu trennen: Love Comedy ist Love Comedy und Action ist Action. Eine Vermischung davon ist eher selten.

Aoyama: Ach so? Eine Serie mit Action und Kämpfen, die aber immer wieder mal mit romantikomischen Einlagen glänzt, gibt es im Jump also gar nicht?

Oda: Na ja, zumindest ich habe so etwas so gut wie nie gelesen. Aber „Detektiv Conan“ bietet in der Hinsicht ja so einiges an Herzklopfmomenten, nicht wahr? Ich finde, das passt wunderbar zum Setting.

Aoyama: Nun, ich mag Love Comedy eben. Das trifft wohl aber nicht unbedingt auf Sie zu, Oda?

Oda: Love Comedy traue ich mir einfach nicht zu. Ich würde beim Zeichnen ganz rot werden. (lacht)

Aoyama: Ich tue mir wiederum mit „Freundschaft“ schwer. Es ist nicht so, dass ich das gar nicht umsetzen kann, aber es mangelt dann oft am richtigen Spirit. Relativ gut gelungen ist mir das eigentlich nur bei den Geschichten rund um die Polizeischule.

Oda: In „Detektiv Conan“ gibt es ja gleich mehrere Liebesbeziehungen. Und die Gefühle gehen hin und her. Aber ich habe irgendwie die Sorge, dass die Fans nicht mitziehen würden, wenn ich Liebesbeziehungen einbaue. Bei einseitigen Gefühlen wäre das kein Problem, aber sobald die Charaktere die Gefühle erwidern, verlieren die beiden Figuren an Fans, so zumindest meine Befürchtung.

Aoyama: (wie aus der Pistole geschossen) Tun sie nicht! (lacht)

Oda: Also sind meine Ängste unbegründet?!

Aoyama: Ja, die Leser fiebern nämlich mit! So haben sich in „Detektiv Conan“ schon jede Menge Pärchen gebildet. Charaktere ohne Partner muss man fast schon mit der Lupe suchen.

Oda: Die Leser stehen eben voll hinter Pärchen! Leider habe ich als Jugendlicher kaum solche Geschichten gelesen. Früher gab es im Jump auch nicht wenige Mangaka, die schon aus Prinzip keine weiblichen Charaktere gezeichnet haben. Daher habe ich auch von Anfang an einen ziemlich hohen Frauenanteil unter meinen Charakteren. Ich wollte einfach starke Frauen zeichnen. Aber damals war eine Figur wie Nami eher die Ausnahme.

Beim Voting der beliebtesten One-Piece-Charaktere, das zur Feier des 1000. Kapitels abgehalten wurde, hat Nami ja auch weltweit den dritten Platz belegt.

Oda: Das weltweite Voting war wirklich sehr interessant. Dabei kam heraus, dass von den beiden weiblichen Hauptfiguren Nami die weitaus populärere in Japan ist, während international Nico Robin, die wesentlich erwachsenere von beiden, das Rennen gemacht hat. Je nach Land variiert die Wahrnehmung also beträchtlich.

Aoyama: „Detektiv Conan“ ist auch in China sehr populär, doch solche Unterschiede ergeben sich da nicht. Aber Ai Haibara zum Beispiel ist auch im Ausland besonders beliebt.

Anlässlich der Premiere von „Die Halloween-Braut“ wurde auch im Rahmen von „Detektiv Conan“ ein Voting zu den beliebtesten weiblichen Hauptcharakteren veranstaltet. Dabei hat sich Ai Haibara den ersten Platz geholt, und Ihre Illustration dazu fand ebenfalls große Beachtung, Herr Aoyama. Aber die Votings zu beiden Serien haben vor allem eins gezeigt: wie unglaublich viele Charaktere es doch in beiden Universen gibt!
(Anmerkung des Redakteurs: ConanNews.org berichtete.)

Aoyama: Und das ist noch nicht das Ende der Fahnenstange. In „Detektiv Conan“ gibt es brandneue Charaktere wie zum Beispiel Chihaya Hagiwara, die erst unlängst ihr Debüt gegeben haben.

Oda: Wie läuft das eigentlich ab, wenn Sie einen neuen Charakter einführen wollen, Aoyama?

Aoyama: Rein nach Gefühl. Manchmal habe ich Lust auf einen bestimmten Charakter oder denke mir, so jemanden haben wir noch nicht, das könnte eine Bereicherung sein – und dann zeichne ich die Figur einfach. Wie gehen Sie diesbezüglich vor, wie denken Sie sich neue Namen aus?

Love Comedy traue ich mir einfach nicht zu. Ich würde beim Zeichnen ganz rot werden. (lacht) (Oda)

Oda: Ich lasse mich da von Verschiedenstem inspirieren.

Aoyama: Ich musste bei den Namen von Sanjis älteren Brüdern schmunzeln. Sanji, Niji, Ichiji … So kann man’s auch machen!

Oda: Ich wollte immer irgendwann Sanjis Herkunft und Kindheit beleuchten und hatte mir überlegt, dass er Brüder hat. Als das dann im Manga thematisiert wurde, war meine Tochter gerade verrückt nach der TV-Serie „Osomatsu-san“. Ich wollte ihr natürlich eine Freude machen und habe extra noch einen vierten Sohn, Yonji, eingebaut, um den Sechslingen ihrer Lieblingsserie etwas entgegenzusetzen zu haben. (lacht)
(Anmerkung des Übersetzers: „ichi“, „ni“, „san“, „yon“ = 1, 2, 3, 4)

Wie begegnen Sie den Meinungen der Leser?

Sie beide erhalten Woche für Woche unzählige Fanpost. Über welche Zuschriften freuen Sie sich am meisten?

Oda: Ich freue mich grundsätzlich über alle Zuschriften, aber die größte Freude ziehe ich aus Briefen, in denen die Leser und Leserinnen konkret darauf eingehen, was ihnen am letzten Kapitel besonders gefallen hat. Dann weiß ich nämlich, worauf sie achten und was ihnen wichtig ist!

Aoyama: Ja. Immer wenn ich solches Feedback erhalte, lese ich die betreffenden Stellen im Manga noch mal und muss dabei grinsen. „Aha, das fandet ihr also gut, wie schön!“ Ich muss diese Szenen dann einfach noch mal Revue passieren lassen.

Oda: Nicht wahr? Ich finde es bewundernswert, dass sich Fans die Mühe machen und uns ihre Gedanken mitteilen. Haben Sie in Ihrem Leben schon mal Fanpost verschickt, Aoyama?

Aoyama: Nein. Das kostet sicher einiges an Mühe. Hut ab.

Oda: Ja, wir können uns glücklich schätzen.

Immer wenn neue Kapitel zu „Detektiv Conan“ und „ONE PIECE“ erscheinen, diskutieren die Fans natürlich auch heftig darüber. Lesen Sie sich die Theorien der Fans durch?

Oda: Das wollte ich Aoyama auch fragen! In letzter Zeit gibt es immer mehr Leute, die sich geradezu auf Kapitelbesprechungen spezialisiert haben.

Aoyama: Ach, im Internet? Es gibt einige solcher YouTuber, ja.

Ich lasse auch immer wieder kleinere Lücken in der Handlung. (Oda)

Oda: Also in meinem Fall gibt es einige solcher Leute, die sich Gedanken über den weiteren Verlauf der Geschichte machen. Und zu meinem Bedauern liegen sie damit manchmal auch richtig. (lacht) Also vermeide ich es, mir deren Output anzusehen. (lacht) Bei einem Krimi-Manga wie „Detektiv Conan“ kommen vermutlich auch einige vorzeitig auf die Lösungen?

Aoyama: Und wie sie das tun! Wenn ich einen Rätselcode bringe, ist es oft unglaublich, wie schnell der geknackt wird. Ich meine, ich trete allein gegen ein Millionenpublikum an! Die stecken ihre Köpfe zusammen und es dauert keinen Tag, bis sie die Lösung haben.

Oda: Einer gegen Millionen ist aber auch unfair! (lacht)

Aoyama: Krimifans zerbrechen sich eben gern den Kopf. Es gab auch jede Menge Leute, die richtig damit lagen, dass Renya Karasuma der Boss der Schwarzen Organisation ist.

Interview Eiichiro Oda

Oda: Wie gehen Sie damit um? Bringt Sie das nicht in Verlegenheit?

Aoyama: Eher in Zugzwang! Als irgendwann die Meinung im Netz vorherrschte, Karasuma sei der Boss, dachte ich mir nur, „Bravo, ihr habt’s erraten!“ und habe mich angeschickt, im Manga für klare Verhältnisse zu sorgen. (lacht) Und das ist auch kein großer Verlust, denn damit habe ich längst nicht all mein Pulver verschossen und die Leser können sich noch auf einige Überraschungen in dem Zusammenhang gefasst machen. Was machen Sie, wenn die Leser einen Ihrer Twists erraten, Oda? Versuchen Sie, das Ganze irgendwie unter den Teppich zu kehren?

Oda: Hmm … Dabei stößt man leider schnell auf Grenzen. Erraten die Fans einen ziemlich großen Plot-Twist, kann man oft nichts mehr machen, da ja vieles vom bereits Geplanten darauf aufbaut. Also bleibt mir nur übrig, die Handlung möglichst pompös zu inszenieren, um wenigstens die Erwartungen der Leser zu übertreffen. Als ich mit „ONE PIECE“ angefangen habe, war die einzige Kommunikation mit den Fans deren Zuschriften. Wer hätte ahnen können, dass wir irgendwann in einer Zeit leben, in der sich die Fans im Internet über jedes noch so kleine Fitzelchen austauschen und Theorien besprechen können! Hätte ich gewusst, dass es mal so weit kommt, hätte ich im Laufe der Jahre viel weniger Hinweise in der Serie gestreut! (lacht)

Aoyama: Verstehe.

Oda: Natürlich gibt es da draußen auch viele Fan-Theorien, an denen rein gar nichts dran ist, aber ich fände es unangebracht, diesen mit einem lapidaren „Nö, leider daneben!“ zu begegnen. Ich meine, die Fans können nicht wissen, wie es weitergeht, machen sich aber fieberhaft Gedanken darüber und investieren Zeit in meine Serie. Wie könnte ich ihnen da mit einem kurzen Kommentar eine Abfuhr erteilen? Das ginge gar nicht, finde ich! Also habe ich mir neulich die perfekte Antwort für solche Fälle überlegt: „Äh, kann schon sein!“ Dann kann sich jeder seinen Teil dazu denken! (lacht)

Aoyama: Das taktische „äh“ macht eben den kleinen, aber feinen Unterschied! (lacht)

Dass Sie beide Ereignisse in Ihren Serien über Jahre vorbereiten und andeuten, bis es dann so weit ist, macht einen Teil der Faszination aus!

Oda: Beim Lesen von „Detektiv Conan“ war ich ganz schön überrascht, wie viel von der Story schon einen Rahmen hat und penibel festgelegt wurde. Ich gehe da ein wenig anders heran: Klar gibt es ein übergeordnetes Konzept und einen roten Faden, aber ich lasse auch immer wieder kleinere Lücken in der Handlung. Stellen, bei denen ich mir denke, dass ich sie später auf die eine oder andere Art wieder aufgreifen könnte. Also eher weniger Handlungselemente, die auf etwas hinarbeiten, das erst in zehn oder mehr Jahren wichtig wird, sondern Lücken, bei denen ich mir irgendwann überlegen kann, wie ich sie füllen möchte. Würde hinter allem, was ich in „ONE PIECE“ tue, eine feste Begründung stehen, würde mir das später über den Kopf wachsen!

Aoyama: Bei „YAIBA“ habe ich es auch genauso gehandhabt. Ich habe bewusst Lücken gelassen und diese dann später in die aktuelle Handlung eingeflochten, um die Leser zu überraschen.

Oda: Ja! Sie verfolgen bei Conan auf jeden Fall einen anderen Ansatz als früher, nicht wahr?

Aoyama: Ja, bei „Detektiv Conan“ gibt es dieses sehr steife Korsett der Haupthandlung. Das bringt das Krimi-Genre mit sich.

Wann haben Sie Ihren verantwortlichen Redakteur in die Identität des Bosses der Schwarzen Organisation eingeweiht, Herr Aoyama?

Aoyama: Ich bin in Sachen Conan bereits beim 18. verantwortlichen Redakteur, aber so ungefähr zur Zeit von Nummer 8 müsste ich der Redaktion Bescheid gegeben haben.

Gibt es ein Geheimnis, wie Sie es auf 100 Bände gebracht haben?

Wenn Sie mal im Manga nicht vorankommen, was tun Sie, um auf andere Gedanken zu kommen? Herr Oda, Sie haben bei einer früheren Gelegenheit geantwortet, dass Sie nichts von Ablenkung halten, da Sie sich sonst daran gewöhnen könnten. Lieber trommeln sie Ihre Mitarbeiter zusammen und versetzen diese in Alarmbereitschaft, um sich selbst unter Druck zu setzen?

Oda: Das Interview dürfte aber schon ziemlich lange zurückliegen, oder? Inzwischen weiß ich um den Wert von Pausen. Ich habe ein viel höheres Gesundheitsbewusstsein. Was tun Sie, wenn Sie mal auf andere Gedanken kommen müssen, Aoyama?

Aoyama: Ich spiele ein Game oder sehe mir einen Film an. Freizeit ist Freizeit und Arbeit ist Arbeit. Ich muss das so strikt trennen. Ich konnte noch nie zwei Sachen gleichzeitig machen.

Oda: Und welche Games spielen Sie?

Aoyama: KanColle (Kantai Collection) und Animal Crossing. Also eigentlich nur einfache Spiele.

Oda: Wie halten Sie es mit Sport?

Aoyama: Ich mache keinen. Früher habe ich aber Baseball gespielt.

Oda: Vor Corona habe ich noch Leute zusammengetrommelt und Fußball gespielt, aber inzwischen ist mir klar geworden, dass ich zu alt dafür bin. Mein Körper macht nicht mehr recht mit. Zu Schulzeiten war ich im Fußballklub, aber heutzutage bewege ich mich kaum noch, so dass ich nur noch von den schönen Erinnerungen zehren kann. (lacht)

Aoyama: Ich war im Kendo-Klub, aber so eingerostet wie ich bin, wäre das lebensgefährlich. Den meisten Auslauf habe ich heutzutage, wenn ich mir ein Lunchpaket kaufen gehe.

Oda: Gesundheitsfördernd ist unser Lebensstil sicher nicht. Ich setze all meine Hoffnungen in Spaziergänge. Dank „Pokémon GO“ bewege ich mich wenigstens ein bisschen!

Aoyama: Spaziergänge würden mir sicher auch gut tun! (lacht)

Interview Gosho Aoyama

Ihre Serien laufen ja bereits sehr, sehr lange. Wie finden Sie die richtigen Zeitpunkte für Pausen und Urlaube?

Aoyama: Diesbezüglich kann ich nicht klagen. Aktuell veröffentliche ich meist drei Kapitel am Stück, danach pausiert Conan immer ein wenig und ich habe Zeit, mich zu erholen und um die Spin-offs zu kümmern. Wenn ein Fall abgeschlossen ist, folgt darauf in der Regel ein Monat, in dem ich nur an Skizzen arbeite.

Oda: Das geht aber auch nur, weil es „Detektiv Conan“ ist, oder? (lacht) Nach Abschluss eines Falls sind die Leser erst mal zufrieden und gönnen Ihnen die kleine Pause. „ONE PIECE“ geht aber in einem fort, da ist eine solche Herangehensweise leider kaum möglich. Neuerdings kann ich mir im Jump aber auch endlich Pausen erlauben, was ungemein zum Seelenfrieden beiträgt. Doch auch wenn „ONE PIECE“ pausiert, habe ich noch genug andere Arbeit auf dem Tisch.

Aoyama: Ja, so ist das eben. Auch ich habe viel weniger frei, als mir lieb ist. Wenn Manga-mäßig nichts ansteht, arbeite ich meist an einem Film.

Oda: Es ist wirklich ein Kreuz! Ich plädiere für mehr Freizeit, so geht das doch nicht! (lacht)

Wenn Auszeiten so rar gesät sind, welches Geheimnis steckt dann hinter Ihrem Durchhaltevermögen, es bereits auf jeweils stolze 100 Bände gebracht zu haben?

Aoyama: Das Geheimnis ist, dass es kein Geheimnis gibt! Aber die Frage höre ich oft. Wie sieht es da bei Ihnen aus, Oda?

Oda: Fehlanzeige! Jedenfalls war es nie mein Ziel, irgendwann auf 100 Bände zurückblicken zu können.

Aoyama: Ganz am Anfang dachte ich noch, „Detektiv Conan“ würde es gerade mal auf einen Band bringen und ganz schnell wieder vorbei sein. Aber bereits beim zweiten Kapitel dämmerte mir, dass der kleine Conan äußerst beliebt ist, und danach befand er sich immer auf Platz 1! Das war vielleicht ein Schock. Ich dachte mir nur, „Oh Mann, du tust gut daran, die Geschichte weiter und weiter auszubauen!“

Oda: Also ich denke mir ständig, dass ich es langsam aber sicher mal gut sein lassen könnte. Aber dann fällt mir noch was ein, das ich unbedingt zeichnen möchte oder muss, und es geht weiter.

Aoyama: So ist es! Da ist noch so vieles, das ich zeichnen und erzählen möchte!

Oda: Sie haben eben wirklich Spaß an Ihrer Arbeit, Aoyama. Das finde ich großartig. Ich werde oft von älteren Kollegen beim Jump beneidet, die mir sagen, „Wow, echt Wahnsinn, wie viel Spaß dir deine Arbeit immer noch macht!“

Ich habe bewusst Lücken gelassen und diese dann später in die aktuelle Handlung eingeflochten, um die Leser zu überraschen. (Aoyama)

Aoyama: Wirklich? Wieso?

Oda: Weil viele von ihnen nach all der Zeit beim Zeichnen die Zähne zusammenbeißen müssen!

Aoyama: Echt jetzt? Für mich nur schwer vorstellbar!

Wenn es also ein Geheimnis hinter Ihrem Durchhaltevermögen gibt, dann vielleicht, dass Sie beide Spaß an Ihrer Arbeit haben?

Aoyama: Ja, das kann man so stehen lassen. Mir macht das Zeichnen immer Spaß. Habe ich eine gute Skizze gezeichnet, will ich mich sofort an das richtige Bild machen.

Oda: Sie müssen Krimifälle und deren Lösungen wirklich lieben! Schwirrt Ihnen nicht manchmal der Kopf von den vielen Mordfällen?

Aoyama: Das könnte man meinen, aber nein. Schon als Kind habe ich Sherlock Holmes geliebt. Das ist vielleicht nur ein netter Zufall, aber in meinen Gedanken zum Abschluss der Grundschule habe ich damals sogar geschrieben, dass ich Mangaka mit Spezialisierung auf Privatdetektivgeschichten werden möchte.

Oda: Ich habe mich für ein Insel-Setting entschieden, um dann nach Lust und Laune zeichnen zu können, was mich gerade anspricht. Wer erst mal die Grandline erreicht, den erwartet das Unbekannte. Das Meer dort ist gnadenlos und macht den Handel unter den Ländern unmöglich, und je nach Insel variieren Klima und Kultur deutlich. Diese Prämisse erlaubt es mir, beim Erreichen jeder neuen Insel das zu zeichnen, was ich will. Wenn man mir sagen würde, „Zeichne bis an dein Lebensende!“, dann muss ich mir nur neue Inseln ausdenken und dem Ganzen sind keine Grenzen gesetzt. Na ja, bis auf eben besagtes Lebensende. (lacht)

Aoyama: Oh, also was das angeht, gibt es gewisse Parallelen zu „Detektiv Conan“. Wenn mir mal der Sinn nach einer Fußballgeschichte steht, muss ich nur einen Mord im Umfeld der Fußballercharaktere inszenieren. Und wenn ich nach drei Kapiteln keine Lust mehr auf Fußball habe, ist der Fall auch schon wieder vorbei. Das könnte ein Geheimnis sein, warum ich nicht die Lust verliere. In „Detektiv Conan“ kann ich alles umsetzen, was mir Freude macht. Ich mag Baseball, und auch dazu kann ich mich immer wieder mal austoben und einen Fall konstruieren, solang es mir Spaß macht.

Ihr täglich Brot sind Mangas. Was fällt Ihnen schwerer, das Zeichnen oder sich die Geschichten auszudenken?

Aoyama: Ich würde sagen, das ist in etwa gleich anstrengend. Beides ist eine Herausforderung, macht aber auch beides Spaß! Oder?

Oda: Ach so? Also mir fallen die Geschichten schwerer! Des Zeichnens werde ich nie überdrüssig. Sobald ich mit den Skizzen, also der Story fertig bin, muss ich ja nur noch die Bilder zeichnen, das empfinde ich oft nicht mehr als Arbeit. Ich liebe es einfach, zu zeichnen, und würde am liebsten die meiste Zeit nur darauf verwenden. Aber die Zeichnungen bekomme ich in der Regel auch mit weniger Zeit noch irgendwie hin, die meiste Zeit brauche ich daher für die Story-Skizzen.

Aoyama: Als ich so alt war wie Sie, ging es mir auch so. Ich habe meist nur drei Stunden geschlafen, sonst wäre ich nicht rechtzeitig fertig geworden. Das war wirklich keine schöne Zeit. Mittlerweile geht aber alles recht gelassen zu.

Oda: Aber Sie haben lange Zeit wenig geschlafen und viel geschafft, hat da ihr Gehirn das nicht automatisch als Erfolgsrezept abgespeichert? Sind Sie nicht in Sorge, vielleicht doch mal hinterherzuhinken, wenn Sie sich gebührend Schlaf genehmigen?

Aoyama: Als ich längere Zeit ins Krankenhaus und dort auf Station zubringen musste, wäre ich vor Sorge beinahe umgekommen. Frei nach dem Motto: „Hä? Ich kann es mir doch überhaupt nicht leisten, nichts zu machen!“

Ich möchte nicht, dass „ONE PIECE“ vor „Detektiv Conan“ endet! (Aoyama)


Oda: Ja, das kann ich nur zu gut nachfühlen. Man ist dann einfach so unruhig! Als ich mal krank war, habe ich darum gebeten, dass man mir meine Farbmalsachen bringt und dann die Farbseite auf dem Krankenzimmer gezeichnet.

Aoyama: Diese Rastlosigkeit ist ein Problem. Ich habe darauf bestanden, die geplante Buntpapier-Dreingabe fürs „Shōnen Sunday S“ zu zeichnen. Und als es dann rauskam, wandten sich die Fans empört an die Redaktion mit den Worten: „Seid ihr wahnsinnig?! Aoyama ist krank und ihr zwingt ihn, zu arbeiten?!“ (lacht) Dabei war das doch meine Entscheidung!

Oda: Im Krankenzimmer kann man ohne Zeitdruck arbeiten, da empfand ich die Arbeit irgendwie als therapeutisch. Ich habe mir noch nie so viel Zeit bei einer Farbseite gelassen! Steckt man mitten im Veröffentlichungszeitplan, gibt es eigentlich nie ein Zeitfenster, in dem man mal keine Arbeit hat. Irgendeine Deadline hat man immer.

Wie laufen bei Ihnen beiden in der Regel die Besprechungen mit dem verantwortlichen Redakteur ab?

Aoyama: Er kommt so gegen 14:00 Uhr zu mir und wir gehen zunächst alle Punkte zur TV-Serie und Zeitschriftenartikeln durch. Mit dem Gespräch über den Manga beginnen wir dann erst am Abend.

Oda: Die Besprechungen fallen oft sehr lang aus, nicht wahr!

Aoyama: Oh ja! Der Redakteur bringt immer einige Ideen für Mordtricks mit, aber manchmal findet sich einfach nichts Passendes. Und wenn es droht, länger als bis Mitternacht zu gehen, verschieben wir den Rest auf den nächsten Tag. Früher haben wir oft bis zum Morgengrauen weitergemacht, aber man wird eben auch nicht jünger. Wie laufen die Besprechungen bei Ihnen ab, Oda?

Oda: Wir besprechen alles telefonisch.

Aoyama: Was denn, nur am Telefon?

Oda: Ganz früher haben wir uns immer persönlich getroffen, aber irgendwann fiel mir auf, dass es mir leichter fällt, mir während des Gesprächs Notizen zu machen, wenn es am Telefon stattfindet. Die Stimme allein reicht aus, um die Reaktionen des Gegenübers zu deuten. Wenn ich ihm erzähle, was ich gern alles machen würde und dann seine Reaktion abwarte, ist immer schnell klar, wie meine Ideen ankommen. Da „ONE PIECE“ eine fortlaufende Geschichte ist, geht es immer erst mal darum, das Kapitel der Woche unter Dach und Fach zu bringen, also haben wir jede Woche eine Besprechung.

Wie viele Jahre noch bis zu den letzten Kapiteln?!

Beide Mangas steuern auf ihren Höhepunkt zu. In „Detektiv Conan“ haben wir jüngst die Identität der Nummer 2 der Schwarzen Organisation, RUM, erfahren, und auch „ONE PIECE“ hat Kurs auf den letzten Akt genommen!

Oda: Mein ursprünglicher Plan für „ONE PIECE“ war eine Laufzeit von fünf Jahren und ich ging davon aus, nach eineinhalb Jahren alle zehn Mitglieder der Strohhutbande beisammenzuhaben. Ich habe das Ganze vom Aufbau her wie ein Game betrachtet, doch dieser Ansatz war etwas zu naiv … Jedenfalls zeichne ich nicht bloß weiter, um die Serie am Leben zu halten!

Aoyama: Das ist bei mir genauso! (lacht)

Oda: Könnten Sie „Detektiv Conan“ denn zügig abschließen, wenn Sie das wollen würden?

Aoyama: Ich verrate Ihnen jetzt mal was … Die Skizzen fürs letzte Kapitel habe ich bereits in der Schublade.

Oda: Wie bitte? Was?!

Aoyama: Das hätte ich jetzt vielleicht nicht sagen sollen? Nicht auszumalen, wenn jemand bei mir einbricht und das klaut! (lacht) Wie bereits erwähnt war ich ein Mal schwer krank. Niemand weiß, wie lange er noch auf der Welt hat, da wollte ich den Abschluss einfach parat haben. Ich habe ihn vor etwa fünf Jahren gezeichnet. Aber es sind ja nur Rohskizzen, und ob ich mich wirklich für dieses Ende entscheide, ist auch nicht hundertprozentig sicher.

Oda: Das hat Sie also dazu veranlasst? Aber ist bestimmt ein gutes Gefühl, den Abschluss bereits so konkret vor Augen zu haben, oder?

Aoyama: Irgendwie schon. Vielleicht arbeitet es sich ja jetzt deswegen so entspannt an Conan. Weil ich schon weiß, wie es ausgeht. Aber noch gibt es auf dem Weg dorthin viele Stationen, die erzählt werden müssen …

Oda: Wie lang wird denn der letzte Fall?

Aoyama: Das verrate ich nicht. (lacht) Und vielleicht ändere ich das Ende ja noch ab, je nachdem, wie die weiteren Entwicklungen in der Story ausfallen … (lacht)

Oda: Ich habe auch schon seit Langem eine Vorstellung vom letzten Kapitel von „ONE PIECE“, allerdings ändert sich diese je nach aktueller Lage – doch sobald der Satz „Da ist es! Das One Piece!“ ausgesprochen wird, ist definitiv Schluss. (lacht) Aber der nächste Arc ist der letzte.

Aoyama: Ach nein, wirklich? Mit „ONE PIECE“ geht es also tatsächlich zu Ende?

Oda: Ja. Ich habe wirklich das Bedürfnis, die Geschichte zum Abschluss zu bringen.

An diesem Punkt müssen wir einfach fragen: Wie viele Jahre noch bis zum Ende?

Oda: Das ist eine verfängliche Frage … Mit einer konkreten Antwort könnte ich mich später nur wieder selbst in Verlegenheit bringen, also ziehe ich es vor, lieber nicht zu antworten. (lacht)

Aoyama: Ja, da tue ich es Ihnen gleich. (lacht)

Oda: Bei meinen bisherigen Prognosen lag ich ja immer falsch, also will ich das jetzt nicht zu laut gesagt haben, aber mein Ziel sind drei Jahre.

Aoyama: Aber genau kann man das sowieso nicht sagen, was? Die Charaktere haben eben ein Eigenleben.

Oda: Genau. Und wir sind nur die Navigatoren.

Herr Oda, weiß Ihr verantwortlicher Redakteur bereits über den Verlauf der Geschichte bis zum Ende Bescheid?

Oda: Ich bin jetzt beim elften verantwortlichen Redakteur, aber immer, wenn der Redakteur wechselt, erzähle ich dem Nachfolger alles. In letzter Zeit ist mir das aber fast schon etwas lästig und ich vertröste ihn mit den Worten, „beim nächsten Mal“. (lacht) Zwischenzeitlich kommt es dann in der Geschichte immer wieder mal zu Änderungen, doch das Ziel bleibt gleich. Aber wenn ich in der Serie plötzlich einen anderen Weg einschlage und sich die Ereignisse überschlagen, ist mein Ex-Redakteur, der ja den eigentlichen Fahrplan von früher kennt, immer ganz baff: „Moment mal, wie passt das denn jetzt rein?!“ Dann antworte ich immer, „Also das hab ich dir doch damals erzählt, kannst du dich nicht mehr daran erinnern …?“ (lacht)

Aoyama: Warum zeichnen Sie nicht auch schon mal das letzte Kapitel, Oda? (lacht)

Oda: Also vor jeder neuen Insel schreibe ich ja ein Konzept, aber schon geraume Zeit vor meinen Ideen für den letzten Arc habe ich Notizen mit allen wirklich großen Geheimnissen zu „ONE PIECE“ niedergeschrieben.

Aoyama: Die muss ich klauen! (lacht) Auch ich habe abschließende Notizen zur Familie Akai, in etwa drei volle Seiten stark. Ich zeige sie jedem neuen verantwortlichen Redakteur, doch das Ganze ist recht kompliziert und schwer zu merken. Wenn also etwas davon im Manga thematisiert wird, ist der Redakteur oft überrascht, obwohl ich doch nur meine Notizen abarbeite. Aber in meinem Fall habe ich das Finale ja schon. Wenn ich ihm das einfach übergebe, war’s das.

Was möchten Sie nach dem Abschluss der Serie machen?

Oda: Auf Reisen gehen und jeden Tag woanders übernachten.

Aoyama: Also ich würde gern umziehen. Aber das ist nicht so einfach. Vielleicht ist es etwas weniger als bei Ihnen, Oda, aber ich habe so viel Kram und Zeugs, dass ein Umzug ein gewaltiges Unterfangen wäre.

Oda: Nach einer Reise steht Ihnen nicht der Sinn?

Aoyama: Reisen habe ich im Laufe der Jahre ein paar gemacht. Ich war zum Beispiel in London, als im British Museum Originalbilder von „Detektiv Conan“ ausgestellt wurden. Bei der Gelegenheit habe ich auch die Vauxhall Bridge besucht, um Material für die Konfrontation zwischen Mary und Vermouth zu sammeln. Danach ging es dann ja aber leider mit Corona los.

Oda: Auch ich möchte in Länder reisen, in denen ich noch nie war. Ich möchte um die Welt reisen, und dann für den Rest meines Lebens eine heiße Quelle nach der anderen aufsuchen!

Wäre es nicht der Hammer, wenn wir das jeweilige Ende gemeinsam einläuten? „Auf die Plätze, fertig, los!“ (Oda)

Aoyama: Zur Endrunde der Fußballweltmeisterschaft bin ich nach Brasilien geflogen, und bei der Ausreisekontrolle am Flughafen hat sich der Kontrolleur meinen Reisepass eine ganze Weile lang wortlos angesehen. Als ich ihn fragte, ob alles in Ordnung sei, meinte er nur: „Ich will wissen, wie es weitergeht, also kommen Sie wohlbehalten zurück!“ Da war ich ganz schön vor den Kopf gestoßen! (lacht)

Oda: Jeder kennt eben unsere echten Namen. Ihr Name ist ja auch eher selten. Wenn man beim Arzt aufgerufen wird, kann das manchmal ganz schön peinlich sein.

Aoyama: Ja, oft sage ich dann einfach, ich heiße zufällig auch so wie dieser Mangaka! (lacht) Seit einiger Zeit werde ich aber zum Glück immer nur als „Herr Aoyama“ aufgerufen.

Oda: Seit mein Name auch so bekannt geworden ist, wird beim Arzt Rücksicht darauf genommen und ich werde still und heimlich aufgerufen. Als ich noch nicht ganz so bekannt war, schallte es immer „Eiichirō Oda!“ durchs Wartezimmer.

Dürfen wir fragen, worauf sich die Leser demnächst am meisten freuen können?

Aoyama: Ich will unbedingt einen Fall zeichnen, der RUM zu einer Zeit zeigt, als er noch beide seiner Augen hatte. Und in welcher Verbindung Shūichi Akais Vater Tsutomu zu ihm steht … Ich denke, dass könnte die Fans interessieren. (lacht)

Oda: Hmm, eine knifflige Frage … Ich habe viele Szenen vor Augen, die ich zeichnen möchte, aber da ich die Leser damit überraschen möchte, schweige ich hier an dieser Stelle lieber dazu.

Aoyama: Eine weise Entscheidung.

Oda: Aber ich werde auf jeden Fall die Vergangenheit ausführen. Ich glaube, zu erzählen, was sich auf der Welt während des „Vergessenen Jahrhunderts“ zugetragen hat, wird sehr spaßig. Und wenn es mir Spaß macht, wird es das auch den Lesern. Also wirklich, das wird spannend!

Bitte teilen Sie uns zum Schluss noch Ihre abschließenden Gedanken mit!

Aoyama: Ich möchte nicht, dass „ONE PIECE“ vor „Detektiv Conan“ endet!

Oda: Also genau das Gleiche wünsche ich mir von Ihnen und „Detektiv Conan“ auch! (lacht)

Aoyama: Die Jagd nach unserem persönlichen One Piece geht noch weiter, also hängen wir uns weiterhin rein! (lacht)

Oda: Wäre es nicht der Hammer, wenn wir das jeweilige Ende gemeinsam einläuten? „Auf die Plätze, fertig, los!“

Aoyama: Das wäre schon wirklich ein Meisterstück! (lacht)

Vielen Dank, dass Sie sich heute die Zeit genommen haben.

Wir sind gespannt, was wir von den beiden noch alles erwarten können!!!

Verbreitet unser übersetztes Gosho Aoyama × Eiichiro Oda Interview weiter


Das war’s! Uns ist die besondere historische Tragweite dieses Interviews bewusst. ConanNews.org hat Josef Shanel exklusiv beauftragt, fair auf eigene Kosten bezahlt. Verwendet es nicht ohne angemessene Urheber- und Rechteangaben weiter. Wir haben keinerlei Werbetracker oder Analysetools auf unseren Seiten installiert und nur dank Patreon können wir sogar auf das Schalten von Werbung verzichten. Wie ihr uns unterstützen könnt, erfahrt ihr hier. Wer mehr über Josef Shanel erfahren will, hat Glück: Wir haben ihn hier und hier bereits selbst interviewt! Wir bedanken uns fürs Lesen, eifrige Kommentieren, fleißige Teilen und hoffen, dass euch ConanNews.org eine große Freude bereiten konnte. Danke für elf tolle Jahre, Josef!

6 Gedanken zu „Das Interview mit Gosho Aoyama & Eiichiro Oda (Teil 2)

  • 3. August 2022 um 17:26
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    Das Ai Haibara auch im Ausland sehr beliebt ist kann ich nur bestätigen. 😊
    Aber es existiert bereits eine Skizze zum letzten Detektiv Conan Kapitel?!

  • 3. August 2022 um 19:11
    Permalink

    Er hat vor fünf Jahren, während einer Krankheit, die einen Krankenhausaufenthalt nötig gemacht hat, mal eine Skizze für das Ende gemacht, aber wie Aoyama hier zweimal sagt, es kann sich ja noch einiges ändern, die Story ist nicht in Stein gemeißelt. Würde also diese Tatsache nicht allzu sehr überbewerten.

  • 3. August 2022 um 20:03
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    Auch der zweite Teil enttäuscht nicht. Danke für die Arbeit! 🙂

  • 3. August 2022 um 20:30
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    Hammer übersetzt und das für das organisieren liebes Conannews Team. Verfolge euch seit ich ein klein Junge bin. Danke! Bin Fan von beiden Mangas und mich freut es sehr wie gut sich beide verstehen.

  • 9. August 2022 um 22:52
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    Riesengroßen Dank an euch für eure Arbeit! Und natürlich auch an Josef! 🙂

  • 25. Oktober 2022 um 15:28
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    Vielen Dank an alle, die dieses Interview mit den tollen Einblicken in die Arbeit der beiden Senseis gegeben haben.
    Und natürlich an euch von Conan News für die seit Jahren kontinuierliche Arbeit, die ihr hier reinsteckt. Es ist schön, euch wachsen zu sehen, z.B dass ihr euch durch Patreon inzwischen selbst finanzieren könnt. Danke!!!!

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